Montessori-Zweig



Schulkonzept für den Montessorizweig

"Hilf mir, es selbst zu tun!"

Seit 1996 besteht der Montessori-Zweig als Angebot besonderer pädagogischer Prägung mit vier jahrgangsgemischten Lerngruppen an der Ganztagsschule Drispenstedt (GTS).

Für den Montessori-Zweig sind die niedersächsischen Kerncurricula und Lehrpläne ebenso verbindlich wie für die Regelklassen.

Durch die Freiarbeit (FA) in der Montessori-Pädagogik wird den Kindern dieses Schulzweigs die Chance ermöglicht, die Prinzipien der Selbstständigkeit, Verantwortlichkeit und Entscheidungskraft zu erlernen sowie eigene individuelle, spontane und schöpferische Aktivitäten zu entfalten.

„In einer Zeit, in der Entwurzelung, Orientierungslosigkeit, Langeweile, Gewalt und Drogen unter Kindern und Jugendlichen bedrohliche Ausmaße annehmen und der gesellschaftliche Wandel an Geschwindigkeit mehr und mehr zunimmt, stellt sich immer dringlicher die Frage, wie es möglich ist, dass die Kinder zu harmonischen ausgeglichenen Menschen heranwachsen können, die auch die innere Kraft besitzen, sich den Herausforderungen unserer Welt auf kreative Weise zu stellen.“ (Valentin,L.: Zeitschrift: Mit Kindern wachsen. Heft 1/1996, S. 8).

In diesem Sinne ist das Erziehungsziel, die Kinder auf die Herausforderungen ihrer Zeit vorzubereiten, die sie mehr und mehr selbstständig und unabhängig von äußerer Führung meistern können.

Gliederung:

1. Maria Montessori: Leben und Werk
2. Rahmenbedingungen
3. Ganztagsangebot / Schulleben / zeitlicher Ablauf
4. Das Team
5. Das pädagogische Konzept
6. Würdigung der kindlichen Arbeit / Leistungsbeurteilung

7. Elternarbeit

8. Kooperation Schule / Kindergarten

9. Literatur

1. Maria Montessori: Leben und Werk

    Die italienische Ärztin und Pädagogin Maria Montessori wurde im Jahr 1870 in Chiaravalle bei Ancona geboren. Sie studierte in Rom und war 1896 die erste promovierte Medizinerin Italiens. Nach ihrer Zeit als Assistenzärztin in der Kinderabteilung der psychiatrischen Universitäts-klinik in Rom wurde sie Direktorin eines heilpädagogischen Instituts.

    1907 eröffnete Maria Montessori das erste Kinderhaus im Elendsviertel Sankt Lorenzo in Rom. In den folgenden Jahrzehnten erlangte der pädagogische Ansatz Maria Montessoris zusehends internationale Bedeutung. Sie bereiste Europa, Nord- und Südamerika und auch Indien, um dort Vorträge zu halten und Kurse zu geben. 1949 zog sie nach Holland, wo sie am 6. Mai 1952 Noordwijk aan Zee starb.

    Die pädagogischen Ideen Maria Montessoris sind seither jedoch nicht in Vergessenheit geraten. War die Erziehung zur Selbstständigkeit in der Vergangenheit lange Zeit verpönt, so erlebt genau dieser Ansatz derzeit eine wahre Renaissance.

     

    2. Rahmenbedingungen

      Der einzügige Montessori-Zweig ist eingebettet in die Ganztagsschule Drispenstedt (GTS) und Mitglied der Montessori-Vereinigung Köln, Sitz Aachen. Nach der Evaluation im Jahr 2005 durch Ervin Resch (Dozent und Vertreter der Montessori-Vereinigung), ist der Zweig anerkannte Hospitationsstätte im Rahmen der Montessori-Diplomkurse.

      Bei der GTS handelt es sich um eine staatliche Schule mit ganztägigem Betreuungsangebot in Form von Nachmittagsunterricht und unterschiedlichsten Arbeitsgemeinschaften im musisch-/kulturellen, sportlichen und freizeitpädagogischen Bereich.

      Der Schulzweig mit dem Standort Hildesheim-Drispenstedt ist vom Schulträger (Stadt Hildesheim) als einzügiger Schulzweig (also mit vier Lerngruppen) genehmigt, daher besteht eine begrenzte Aufnahmekapazität.

      3. Ganztagstagsangebot / Schulleben / zeitlicher Ablauf

        Als Ganztagsschule hat die GTS Drispenstedt das gleiche Fächer- und Lernprogramm wie andere Grundschulen auch. Darüber hinaus bestehen besondere Angebote (siehe Rahmenbedingungen).

        Ein Schwerpunkt der Ganztagsschularbeit ist das Kinder-Kultur-Programm mit Theateraufführungen, regelmäßigen Schulfeiern (Forum) in der Aula für alle Kinder, bei der sie Lieder, Tänze, Akrobatisches, Gedichte, Geschichten, Theaterstücke oder andere Ergebnisse aus dem Unterricht präsentieren. Eltern sind dazu herzlich eingeladen.

        Viele Kinder nehmen im Rahmen der ganztägigen Versorgung am täglichen warmen Mittagessen teil. Ebenso werden etwa 80 Kinder in festen Freizeitgruppen von Erzieherinnen und Sozialpädagoginnen täglich bis 15.00 Uhr bzw. 16.00 Uhr betreut.

        Im Rahmen des Schulprogramms der GTS findet im Montessori-Zweig montags und mittwochs klassengebundener Nachmittagsunterricht bis 14.50 Uhr statt, der für die Bearbeitung übender Aufgaben genutzt wird (s.u). Zusätzlich sollte jedes Kind mindestens ein AG-Angebot nutzen.

        Die Freiarbeit (FA) und Verfügung (Verf) finden in der jahrgangsgemischten Klasse statt. Die Fachstunden (Kunst, Musik, Sport, Reli...) werden gewöhnlich in der jahrgangsgleichen Lerngruppe erteilt.

        Der Tagesablauf in einer Klasse des Montessorizweigs im Ganztagsschulbetrieb könnte wie folgt aussehen:

        4. Klasse

         

        Montag

        Dienstag

        Mittwoch

        Donnerstag

        Freitag

        1 7:55-8:40

        FA

        FA

        FA

        FA

        FA

        2 8:45-9:30

        FA

        FA

        FA

        FA

        FA

        3 9:55-10:40

        FA

        SU

        Sp

        FA

        FA

        4 10:45-11:30

        Engl

        Ku

        Tex

        FA

        Engl

         

         

        Hofpause

         

         

         

        5 11:45-12:30

        Mu

        Sp

        Re

        Mu

        Re

         

         

        Mittagspause

         

         

         

        6 13:15-14:00

        Verf

        PC

        Verf

        z.B. Tanzen

        z.B. Spiele

        7 14:05-14:50

        Verf

        z.B. Kochen

        Verf

        z.B. Theater

         

        8 14:50-15:40

        z.B. Laufen

        z.B. Nähen

        z.B. Nepal

        z.B. Judo

         

        1. Klasse

         

        Montag

        Dienstag

        Mittwoch

        Donnerstag

        Freitag

        1 7:55-8:40

        FA

        FA

        FA

        FA

        FA

        2 8:45-9:30

        FA

        FA

        FA

        FA

        FA

        3 9:55-10:40

        FA

        SU

        Re

        Re

        FA

        4 10:45-11:30

        FA

        Mu

        Mu

        FA

        Ku

         

         

        Hofpause

         

         

         

        5 11:45-12:30

        Ku

        Betreuung

        Sp

        Betreuung

        Sp

         

         

        Mittagspause

         

         

         

        6 13:15-14:00

        Verf

        z.B. Tanzen

        Verf

        z.B. Judo

        Betreuung

        7 14:05-14:50

        Verf

        z.B. Chor

        Verf

         

         

        8 14:50-15:40

         

         

        z.B. Fußball

         

         

        Hausaufgaben

        Lediglich tägliche Leseübungen, Kopfrechnen und 1x1-Übungen sowie ggf. Vorbereitungen zu anstehenden Lernzielkontrollen finden im Elternhaus statt. Trotz der vielen Übungsmöglichkeiten, die das Montessorimaterial bietet, ist auch die häusliche Übung wichtig – bei einem Kind mehr, bei dem anderen weniger.

        Weiterhin ist das Kind selbst verantwortlich für eine aufgeräumte und vollständige Schultasche, Etui, Sportkleidung, speziell angeforderte Bastelmaterialien und Ähnliches. Das Kind ist als Forscher und Experte gefordert. Es sammelt zu Hause Materialien oder Informationen um sie in die Klasse hinein zu tragen.

        Darüber hinaus können Sie Ihr Kind gut unterstützen, indem Sie ihm kleine Aufgaben im Alltags- und Familienleben schon früh zutrauen. Damit meinen wir beispielsweise den eigenständigen Gang zum Bäcker oder den Weg vom Auto in die Schule. Dabei ist es wichtig, dass die Unterstützung durch die Eltern nach dem Prinzip Maria Montessoris „Hilf mir, es selbst zu tun!“ erfolgt.

        Wandertage, Erkundungsgänge, Theater- und Museumsbesuche, Projekte sowie kulturelle und naturkundliche Darbietungen in der Schule gehören wesentlich zum Schulleben.

        Einen besonderen Stellenwert hat der Schullandheimaufenthalt. Er findet im gesamten Montessorizweig in der Regel alle zwei Jahre statt und dient der intensiven Förderung der Klassen- und Montessorigemeinschaft. Weiterhin gibt ein Schullandheimaufenthalt den Kindern die Möglichkeit, sich in anderen Situationen zu erleben.

         

         

        4. Das Team

          Die unterrichtenden Lehrerinnen haben neben der beruflichen Motivation auch aus persönlicher Überzeugung zusätzlich mindestens einen zweijährigen Diplomkurs absolviert.

          In regelmäßigen Team-Stunden beraten, planen und reflektieren sie den Unterricht und informieren sich gegenseitig über das Arbeits- und Sozialverhalten der Schüler.

          Durch die Jahrgangsmischung und den jahrgangsgebundenen Fachunterricht ist der intensive Austausch eine notwendige Basis zur Beurteilung und gezielten Förderung und Forderung der Schülerinnen und Schüler.

          Neben der individuellen Weiterbildung ist die regelmäßige Teilnahme des Teams an Fortbildungsveranstaltungen selbstverständlich.

          5. Das pädagogische Konzept

            Grundzüge der Montessori-Pädagogik

            Grundlage dieser Pädagogik waren und sind Beobachtungen an Kindern – „Das wichtigste Werkzeug des Leiters und Eckstein unserer Arbeit“. Aus diesen Beobachtungen und vor dem theoretischen Hintergrund einer Ärztin, die aufbauend Erziehungswissenschaften studierte, hat Maria Montessori ihre Pädagogik entworfen, in die Praxis umgesetzt und weiterentwickelt.

            Ziel ihrer Arbeit war eine Pädagogik, die primär die Entwicklung des Kindes in den Mittelpunkt stellt. Montessoris Pädagogik ist heute weltbekannt und wird in vielen Ländern praktiziert bzw. weiterentwickelt.

            Viele ihrer damals revolutionären Gedanken sind inzwischen allgemein anerkannt:
            Die Kindheit betrachtet sie als ein Stadium, das einen Wert für sich hat. Die Entwicklung des Kindes, das Reifen zum Erwachsen sein vollbringen nicht die Erwachsenen; das Kind ist „der Baumeister seiner selbst“.
            Das ganze unbewusste Streben des Kindes ist nach Montessori auf Loslösung und Unabhängigkeit vom Erwachsenen gerichtet.
            Hierbei braucht es die Auseinandersetzung mit der Welt und die Anregung und Unterstützung durch den Erwachsenen. Durch Eigentätigkeit und Auseinandersetzung mit seiner Umwelt kann das Kind Selbstständigkeit erlangen und sich zur unabhängigen und freien Persönlichkeit entwickeln.

            Mit diesem Menschenbild Maria Montessoris sind zugleich die wichtigsten Erziehungsziele ihrer Pädagogik abgesteckt: Das Kind soll sich von Geburt an schrittweise zu einem selbstständigen, unabhängigen Menschen entwickeln können. Auch Lernen soll ganzheitlich, das heißt mit allen Sinnen geschehen können. Das Kind arbeitet und lernt so individuell wie möglich. Dazu braucht es Erwachsene (Eltern, ErzieherInnen und LehrerInnen), die es entsprechend seiner Möglichkeiten begleiten, anleiten und hinführen: 

            „Hilf mir, es selbst zu tun“ und „Baumeister seiner selbst“ zu werden. Für die Umsetzung des Konzeptes ist es wichtig, dass die LehrerInnen und Eltern die Kindern als eigenständige Persönlichkeiiten akzeptieren. Dabei gilt es einen ausgewogenen Rahmen zwischen freiheitlicher Entfaltung und stützender Struktur vorzuleben.

            Für die Lehrkräfte stellt dies die Basis für die täglich stattfindende Freiarbeit dar. Die „Polarisation der Aufmerksamkeit“ ist ein wichtiger Aspekt der Freiarbeit. Sie ist gleichzusetzen mit Konzentration und intensivem Kontakt des Kindes mit dem Lerngegenstand.

            Wenn ein Kind nun seine Aufgabe gewählt und begonnen hat, sich intensiver damit auseinanderzusetzen, soll der MontessorilehrerIn das Kind bei seiner „Polarisation der Aufmerksamkeit“ nicht mehr stören oder unterbrechen. Die Hauptphase dieser Polarisation umfasst eine große Arbeit des Kindes und dauert unterschiedlich lange. Sie ist bedeutsam für die intellektuelle, emotionale und soziale Entwicklung des Kindes und stellt den „Schlüssel zur Selbstbildung“ dar.

            Wichtige Bedingungen, wie zum Beispiel die behutsame Zurückhaltung und indirekte Lenkung durch die LehrerInnen – „Folge dem Kind“, aber auch ein Angebot an angemessenen Übungen und Materialien in vorbereiteter Umgebung sowie die Beachtung und Herausforderung der sensiblen Phasen des Kindes müssen erfüllt sein.

            Maria Montessori teilt die kindliche Entwicklung in drei Hauptphasen ein, die Aufbauphase (0 bis 6 Jahre), Ausbauphase (6 bis 12 Jahre) und Umbauphase (ab 12 Jahren). Jede Phase ist geprägt von einer besonderen Empfänglichkeit des Kindes von vorübergehender Dauer zum Erlernen bestimmter Fähigkeiten.

            Die vorbereitete Umgebung in der Schule, die beobachtenden LehrerInnen sowie ein intakter Klassenverband haben eine besondere pädagogische Bedeutung und sind Grundvoraussetzungen für die Auseinandersetzung mit den Lerngegenständen.

            Die wesentlichen Elemente der vorbereiteten Umgebung sind:

            • das Montessori-Material, das zu den Entwicklungsaltern der Klasse in allen Lernbereichen (Mathematik, Sprache und Kosmische Erziehung) vorhanden ist

            • selbst erstellte und erworbene Materialien, die – ausgerichtet auf ihre jeweiligen Zielsetzungen – den didaktischen Prinzipien der Montessori-Pädagogik gerecht werden (Experimentalpädagogik)

            • nach Sachbereichen und innerhalb der Bereiche sinnvoll geordnete Materialbestände (übersichtliche Raumstruktur und –gestaltung)

            • der gesamte Materialbestand ist für die Kinder frei zugänglich; das Ordnungssystem ist von ihnen selbstständig einzuhalten.

            • ausreichend Freifläche für Materialarbeit (Arbeit auf Teppichen für großräumig auslegbare Materialien)

            • genügend Bewegungsfreiheit für die Kinder („Verkehrswege“)

            • auch Nebenräume und Flure sind als vorbereitete Umgebung mit einzubeziehen

            Jedes Material ist in der Regel nur einmal vorhanden, so dass die Kinder lernen, zu warten und Absprachen zu treffen. Ziel ist es, die Kinder aus einer kleinen geordneten Umgebung Schritt für Schritt in die großen Ordnungen der Welt einzuführen. Das Material gibt Klarheit, weil es konkret ist. In jedem Material wird eine Eigenschaft besonders hervorgehoben, „isoliert“, der Schwierigkeitsgrad wird stufenweise aufgebaut.

            FreieArbeit im Sinne Montessoris bedeutet:

            • jeder Schulmorgen beginnt mit zwei oder mehr Stunden Freiarbeit

            • die Freiarbeitszeit pro Woche umfasst ungefähr fünfzehn Unterrichtsstunden

            • es kommt häufig zur Zusammenarbeit von zwei oder mehreren Kindern (vielfach in Form von helfen / sich helfen lassen), in meist kooperativer Weise

            • es kommt eine ruhige Arbeitsatmosphäre mit konzentrierter, polarisierter Arbeit zustande

            • es herrscht in der Regel ein von gegenseitiger Achtung geprägter Umgang miteinander; Konflikte werden überwiegend eigenständig und der Situation angemessen gelöst.

            Freiheit und Bindung bedingen sich gegenseitig. Damit alle erfolgreich lernen können, gilt für uns folgende Grundregel:

             

            Freie  Wahl

             

            Freiheit

            Bindung

            der  Arbeit

            gemäß individueller Interessen: Fach, Lernbereich, Schwierigkeitsgrad, Lernziel…

            keine Entscheidung für das Nichtstun, sachgemäße Handhabung des Materials, möglichst Vollendung der begonnenen Arbeit; jedes Material ist nur einmal vorhanden

            des  Arbeitsplatzes

            Prinzip der offenen Türen, Möglichkeit „geistiger Spaziergänge“

            nur leises und rücksichtsvolles Herumgehen erlaubt, niemanden bei der Arbeit stören

            des  Arbeitspartners

             

             

            Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit

            Arbeit muss produktiv bzw. Gruppe arbeitsfähig sein

            der  Arbeitszeit

            Arbeit nach individuellem Lerntempo und vom Kind festgelegter Dauer

            zeitliche Begrenzung der Freiarbeit, Verpflichtungen, ab einem bestimmten Zeitpunkt bei der Arbeit zu sein

                                           (aus: Montessori-Diplomkurs, Vortrag: Michael Klein-Landeck)

             

            Die Kinder haben die Möglichkeit der freien Wahl, was Gegenstand, Zeitrahmen und Sozialform betrifft. Zeitweise benötigen sie dabei Anregungen oder Hilfen durch die Lehrperson.

            Die freie Wahl innerhalb dieser notwendigen Begrenzung erfordert vom Kind gleichzeitig eine innere Disziplin, die es im selben Maße wie seine Freiheit entwickelt.

            Es mag vielleicht erscheinen, dass sich die beiden Begriffe „Freiheit“ und „Disziplin“ widersprechen; in der Montessoripädagogik bedingen sie sich gegenseitig und stellen zwei Pole dar.

            Ausdauer und Konzentration, die Grundvoraussetzungen für die „sinnvolle Arbeit“ in der Freiarbeit, sind Fähigkeiten, die sich bei vielen Kindern erst entwickeln müssen. Manche Kinder haben Schwierigkeiten mit der Freiarbeit umzugehen. Es ist Aufgabe der LehrerInnen, den Kindern auf ihrem Weg zu helfen.

            Ein wichtiger Grundsatz ist, die Arbeit eines jeden Kindes vor Störungen zu schützen. Die Freiheit des einzelnen Kindes hört da auf, wo es die Freiheit des anderen beschneidet.

            Soziale Disziplin äußert sich in zweifacher Weise:

            als Achtung vor der Arbeit des Anderen und

            als Rücksicht auf das Recht des Anderen.

            Dabei nimmt die Rolle der Lehrkraft eine besondere Bedeutung ein.

            Zwischen den beiden Extremen „ein Kind allein lassen“ (es verlassen) und „sein Problem lösen“ liegt das Gebiet, in dem sich echte Entwicklungsprozesse ergeben.

            Leider wird es von den erziehenden Erwachsenen so selten betreten, dass wir es beinahe als Niemandsland bezeichnen können. In dieser Zone sind wir beim Kind, begleiten es, wir sind einfach da. Wir gehen nicht weg, ermuntern auch das Kind nicht mit dem Üblichen `das kannst du schon´ zur Selbstständigkeit, motivieren es nicht, greifen seinen Ideen nicht voraus, lenken es nicht ab, unterstützen es, wenn nötig und erwünscht in seiner Aktivität und setzen – wenn dies erforderlich ist – Grenzen, damit alle beteiligten sich wohlfühlen können.“  (Wild, R. Sein zum Erziehen. Freiamt 1955, S.73)

            Der Lehrer muss passiv werden, damit das Kind aktiv werden kann“, formulierte Maria Montessori.

            Die Arbeit in altersgemischtenGruppen(Jahrgangsmischung) ermöglicht vielfältiges soziales Lernen. Die Möglichkeiten gegenseitigen Helfens wie auch Lernens voneinander sind eine große Bereicherung. Wie im außerschulischen Leben, aus dem eine Altersmischung den Kindern vertraut ist (Geschwisterkonstellation, Kindergarten), sind die Klassen altersheterogen zusammengesetzt.

            In der Montessoripädagogik ist die Jahrgangsmischung eine elementare Grundlage für das soziale Milieu und die Arbeitshaltung in einer Klasse. Das Miteinanderlernen verschiedener Altersstufen verringert das Konkurrenzverhalten, das in Jahrgangsklassen oft zu beobachten ist, da die Verschiedenartigkeit der Kinder anerkannt ist und positiv genutzt wird. Kinder, die eine Klassenstufe wiederholen, tun dies fast ausnahmslos mit großem Erfolg, da sie in ihrem gewohnten Lernumfeld bleiben können.

            Die Jüngeren lernen Verhaltens- und Arbeitsregeln von den Älteren, die Älteren lernen Verantwortungsbewusstsein, Rücksichtnahme und sie sind aufgrund der altersgemäßen Nähe manchmal besonders gute „Lehrer“.

            Im Montessorizweig der GTS sind alle Jahrgänge der Klassen 1 bis 4 in einer Lerngruppe vertreten, die eine Klassenstärke zwischen 20 und 24 Kindern umfasst.

             

            6.  Würdigung der kindlichen Arbeit / Leistungsbeurteilung

              Jedes Kind kommt mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen in die Schule und startet folglich nicht von Null, sondern von seinem eigenen Leistungsstand aus. Jedoch ist Leistung kein absoluter Begriff: Mit dem Vertrauen zum Kind in seiner individuellen Entwicklung kann man oft den Mut zum Abwarten und Zulassen aufbringen. Abwarten, wenn Leistung nicht dann erbracht wird, wenn es gemäß der normalen Entwicklung oder laut Lehrplan an der Zeit wäre, aber auch Zulassen, wenn das Kind eine Leistung vor der Zeit erbringen will, oder gegebenenfalls auch eingreifen, wenn das Kind die Leistung über längere Zeit verweigert.

              Der Montessorizweig ist als staatliche Grundschule an das Niedersächsische Schulgesetz gebunden. Für die Leistungen in den verschiedenen Schulfächern setzen Kerncurricula die Maßstäbe fest, an denen die Leistungen zu messen sind. Der Montessorizweig ist eingebettet in die Ganztagsschule Drispenstedt und in die in Niedersachsen übliche Leistungsbewertung. Die Kinder bekommen in den Klassen 1 und 2 ein Berichtszeugnis, in den Klassen 3 und 4 wird ein Zensurenzeugnis erteilt.

              Die Lern- und Entwicklungsprozesse des einzelnen Schülers werden im Montessorizweig durch fortlaufende Beobachtungen zur Arbeitsweise, zum Sozialverhalten und zum Voranschreiten im Lernstoff festgehalten.

              Im Verlauf eines Schuljahres finden im Herbst und im Frühjahr pädagogische Konferenzen und im Winter sowie im Sommer Zeugniskonferenzen statt, in denen ausführlich über jedes Kind gesprochen wird. Die gemeinsame Erziehungsverantwortung von Elternhaus und Schule schließt die Eltern als unverzichtbare Gesprächspartner in jede schulische Beratung ein. Deshalb finden bei Bedarf an die Konferenzen anschließend Elterngespräche statt. Im Hinblick auf den Übergang in eine weiterführende Schule finden zusätzliche Beratungsgespräche in Klasse 4 statt.

               

              7.  Elternarbeit

              Eltern sind die wichtigsten Erziehungspersonen ihrer Kinder. Deshalb ist ihre Mitarbeit wichtig.

              Alle Eltern sind grundlegend über das Konzept der Montessori-Pädagogik in Theorie und Praxis informiert worden, bzw. hatten die Gelegenheit an Informationsveranstaltungen teilzunehmen und die Hospitationsmöglichkeit im Montessorizweig zu nutzen.

              Gerne können Sie sich mit ihren Ideen und handwerklichen Geschicken in das Schulleben einbringen und so die Lernumgebung des Kindes aktiv mitgestalten. Außerdem sind Sie als Leseeltern während der Freiarbeit jederzeit willkommen. Ferner engagieren sich Eltern bzw. Elterngruppen, wenn es beispielsweise um die Vorbereitung eines Festes geht. Die Mitarbeit der Eltern ist auch als Unterstützung und Einbringung elterlicher Fachkompetenz zum Beispiel bei Projekten und in Schulgremien (Schulelternrat, Förderverein,...) willkommen.

              Die Eltern tragen durch ihre finanzielle Unterstützung auch dazu bei, dass die Klassenräume mit Montessori-Materialien ausgestattet sind.

              Die Elterninteressen werden durch die in den Klassen gewählten Elternvertreter gewahrt. Sie sind Mitglieder des Schulelternrates und gleichzeitig Elternvertreter in den Teilkonferenzen aller Montessoriklassen.

               

              8.  Kooperation Schule / Kindergarten

                Das Montessoriangebot nutzen Kinder aus dem gesamten Stadtgebiet aus den unterschiedlichsten Kindertagesstätten. Um den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule gut zu ebnen, arbeiten wir mit einer ausführlichen Übergabedokumentation von Elternhaus und Kindertagesstätte.

                Eine weitere Grundlage des Austauschs bildet der von beiden Institutionen gemeinsam erarbeitete Flyer „Wann ist mein 'Kind schulfähig?“.

                Aus dieser gemeinsamen Basis ergeben sich in unserer Schule folgende konkrete Kooperationen:

                • Hospitationsangebote für Eltern und Erzieherinnen im Rahmen der Freiarbeit (Anmeldung über das Sekretariat)

                • Elternabend „Die Einschulung steht bevor“ (im Schuljahr vor der Einschulung)

                • Informationsabend zur Montessori-Pädagogik in der GTS (im Schuljahr vor der Einschulung)

                • „schnuppern“ der Kindergartenkinder im Montessorizweig (Frühjahr vor der Einschulung) unter Berücksichtigung gezielter Beobachtungspunkte

                • Anmeldung der Kinder für den Einschulungstermin im folgenden Schuljahr Sprachstandsfeststellungsverfahren (in der Schule des Einzugsgebietes); ggfs. Beginn der Sprachförderung

                Diese enge Zusammenarbeit ermöglicht es uns, bereits deutlich vor Schuleintritt mögliche Entwicklungsverzögerungen zu erkennen und gezielt sowie zeitnah fördern zu können. So können Fördermaßnahmen wie Logopädie oder Ergotherapie bereits vor Schulbeginn einsetzen und ermöglichen dem Kind damit einen leichteren Schulstart.

                 

                9.  Literatur

                Literatur

                • Valentin, L.: Zeitschrift: Mit Kindern wachsen. Heft 1/1996, S. 8.
                • Steenberg, Ulrich: Handlexikon zu Montessori-Pädagogik.
                • Raapke, Hans-Dietrich: Montessori heute.
                • Schulz-Benesch, Günter: Grundgedanken der Montessori-Pädagogik.
                • Montessori, Maria: Kinder sind anders.
                • Montessori, Maria: Die Entdeckung des Kindes.
                • Montessori, Maria: Das kreative Kind.
                • Klein-Landeck, Michael: Freie Arbeit bei Maria Montessori und Peter Petersen.
                • Holtstiege, Hildegard: Modell Montessori.
                • Holtstiege, Hildegard: Erzieher in der Montessori-Pädagogik.
                • Holtstiege, Hildegard: Das Menschenbild bei Maria Montessori.
                • Helming, Helene: Montessori-Pädagogik.
                • Hammerer, Franz: Maria Montessoris pädagogisches Konzept.
                • Esser, Barbara u . Wilde, Christiane: Montessori-Schulen.
                • Eckert, Ela: Maria und Mario Montessoris kosmische Erziehung.
                • Bacher, Kerstin: Jedes Kind ist anders.